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Hysteresekupplung vs. Permanentmagnetkupplung: Unterschied & Auswahl

Alexander Olenberger Alexander Olenberger |10. Juni 2026 |7 Min. Lesezeit |
Zuletzt geprüft: durch Alexander Olenberger

Hysteresekupplung und Permanentmagnetkupplung sind beide berührungslose Magnetkupplungen – sie unterscheiden sich fundamental im Drehmomentverlauf: Die PMK läuft synchron und schlupffrei bis zu ihrem Durchrutschmoment; die Hysteresekupplung liefert ein konstantes Rutschmoment unabhängig von Drehzahl und Schlupf und darf dauerhaft gleiten. Beide übertragen Drehmoment berührungslos über ein Magnetfeld – ohne mechanische Verbindung zwischen Antriebs- und Abtriebsseite.

Wer die falsche Bauart wählt, riskiert entweder unkontrollierte Überlast oder ungenaue Drehzahlsynchronität – je nachdem, was die Anwendung wirklich fordert. Dieser Artikel erklärt beide Funktionsprinzipien, stellt sie direkt gegenüber und gibt klare Auswahlkriterien für die Praxis.

Kurzfassung: Permanentmagnetkupplung (PMK) = synchron, effizient, exakte Drehzahlübertragung, abruptes Überlastverhalten. Hysteresekupplung = konstantes Rutschmoment unabhängig von Schlupf und Drehzahl, sanftes Anfahren, ideal für Verschließer, Aufwickler und Drehmomentbegrenzer.

Permanentmagnetkupplung: Funktion & Eigenschaften

Bei der Permanentmagnetkupplung sind auf Antriebs- und Abtriebsrotor wechselseitig angeordnete Permanentmagnete so positioniert, dass sich die magnetischen Pole gegenüberstehen und einander anziehen. Dreht der Antriebsrotor, zieht er den Abtriebsrotor synchron mit – Pol auf Pol, ohne jede mechanische Berührung.

Das übertragene Drehmoment ist lastabhängig: Es steigt mit der Last an, bis es sein Maximum – das Durchrutschmoment – erreicht. Dieses Durchrutschmoment hängt stark vom Luftspalt zwischen den Rotoren ab; ein größerer Spalt reduziert das übertragbare Moment überproportional.

Wird das Durchrutschmoment überschritten, reißt die magnetische Kopplung abrupt ab: Die Kupplung rutscht vollständig durch und entkoppelt Antrieb und Abtrieb. Dieses Verhalten wirkt als eingebauter Überlastschutz, bedeutet aber auch, dass bei Überlast kein sanfter Übergang stattfindet.

  • Vorteile: Exakte Drehzahlsynchronität, hoher Wirkungsgrad im Betrieb, zuverlässiger Überlastschutz, gut skalierbar bis hohe Drehmomente.
  • Nachteile: Abruptes Überlastverhalten, Drehmoment stark luftspaltabhängig, kein Dauerschlupf-Betrieb möglich.

Hysteresekupplung: Funktion & Eigenschaften

Die Hysteresekupplung arbeitet nach einem grundlegend anderen Prinzip: Ein Magnetrotor (Antriebsseite) rotiert gegenüber einem Ring aus Hysteresematerial (Abtriebsseite). Das sich verändernde Magnetfeld magnetisiert und entmagnetisiert den Hystereseringfortwährend – diese ständige Ummagnetisierung erzeugt das übertragene Drehmoment.

Der entscheidende Unterschied: Das so erzeugte Moment ist nahezu konstant und unabhängig von Schlupf und Drehzahl. Ob Antriebs- und Abtriebsseite synchron laufen oder dauerhaft schlupfen – das Drehmoment bleibt auf dem eingestellten Niveau stabil. Schlupf ist konstruktiv vorgesehen und unbedenklich, solange die entstehende Wärme beherrschbar bleibt.

  • Vorteile: Sanftes, erschütterungsfreies Anfahren, definiertes und stabiles Rutschmoment (ideal für Verschließer, Aufwickler, Bahnspannungs-Regelung), Dauerschlupf möglich, drehmomentbegrenzte Antriebe ohne abruptes Abreißen.
  • Nachteile: Dauerschlupf erzeugt Wärme und senkt den Wirkungsgrad, typisch kleinere übertragbare Drehmomente als Permanentmagnetkupplungen, keine exakte Drehzahlsynchronität.

Schlupfwärme berechnen und Drehmomenttoleranz

Läuft eine Hysteresekupplung mit Schlupf, wird die gesamte am Schlupf umgesetzte Leistung in Wärme umgewandelt. Diese Verlustleistung entscheidet, ob ein Dauerschlupf-Betrieb thermisch zulässig ist:

P = M · Δn / 9,55

P = Schlupfleistung [W]  |  M = übertragenes Drehmoment [Nm]  |  Δn = Schlupfdrehzahl, Differenz Antrieb–Abtrieb [min⁻¹]

Rechenbeispiel:

Gegeben: M = 5 Nm, Δn = 500 min⁻¹

P = 5 · 500 / 9,55 ≈ 262 W

262 W Dauerwärme müssen sicher abgeführt werden, sonst überhitzt der Hysteresering. Die zulässige Dauer-Schlupfleistung gibt der Hersteller je Baugröße an.

Drehmomenttoleranz: Das Rutschmoment einer Hysteresekupplung ist präzise einstellbar und bleibt über Drehzahl und Schlupf nahezu konstant (typische Toleranz ±10 %). Das Durchrutschmoment der Permanentmagnetkupplung hängt dagegen stark vom Luftspalt ab — schon kleine Spaltänderungen verschieben es deutlich (Fertigungstoleranz typisch ±10–15 %). Wo ein eng toleriertes, drehzahlunabhängiges Moment gefordert ist, hat die Hysteresekupplung daher klare Vorteile.

Vergleich im Überblick

Die folgende Tabelle stellt die wesentlichen Merkmale beider Bauarten direkt gegenüber. Beide basieren auf berührungsloser Drehmomentenübertragung, unterscheiden sich aber fundamental in Drehmomentverlauf, Schlupfverhalten und Einsatzschwerpunkt.

Merkmal Hysteresekupplung Permanentmagnetkupplung
Drehmomentverlauf Konstant, drehzahlunabhängig Lastabhängig, synchron
Schlupf Dauerschlupf möglich Nur bis Durchrutschen
Anfahrverhalten Sanft Direkt (synchron)
Überlastverhalten Gleitend (rutscht weich) Abrupt (Feld reißt ab)
Drehzahlsynchronität Nein (Schlupf) Ja (exakt)
Wirkungsgrad Geringer (Schlupfwärme) Hoch
Typischer Momentbereich Kleine Momente Klein bis groß
Typische Anwendung Verschließer, Aufwickler, Drehmomentbegrenzer Pumpen, Rührwerke, Präzisionsantriebe

Auswahl: Wann welcher Typ?

Die Entscheidung zwischen beiden Bauarten hängt primär davon ab, ob die Anwendung exakte Drehzahlsynchronität oder ein definiertes, stabiles Rutschmoment fordert.

Wählen Sie die Permanentmagnetkupplung, wenn …

  • synchrone Drehzahlübertragung ohne Schlupf gefordert ist,
  • hoher Wirkungsgrad und geringe Verluste im Dauerbetrieb zählen,
  • exakte Positionierung oder gleichförmige Drehzahl am Abtrieb nötig sind,
  • die Anwendung eine hermetische Trennung über einen Spalttopf erfordert (z. B. chemische Pumpen, Rührwerke).

Wählen Sie die Hysteresekupplung, wenn …

  • ein definiertes, konstantes Rutschmoment unabhängig von Drehzahl und Schlupf benötigt wird,
  • sanftes, erschütterungsfreies Anfahren wichtig ist (z. B. empfindliche Güter, Folien),
  • eine konstante Bahnspannung beim Aufwickeln oder Verarbeiten von Materialien geregelt werden muss,
  • Überlastsituationen weich und kontinuierlich abgefedert werden sollen, ohne abruptes Abreißen der Kopplung.

Typische Anwendungen

Die Permanentmagnetkupplung dominiert überall dort, wo hermetische Abdichtung und synchrone Übertragung zusammen gefragt sind. Klassische Einsatzfelder sind hermetische Pumpen und Rührwerke in der Chemie, Pharma und Lebensmitteltechnik, bei denen der Luftspalt über einen Spalttopf realisiert wird. Der Aufbau mit Containment Shell und sein Einfluss auf Werkstoffwahl und Wirkungsgrad sind im Artikel Magnetkupplung Spalttopf ausführlich beschrieben.

Die Hysteresekupplung ist die erste Wahl in Verschließmaschinen (konstantes Anzugsmoment unabhängig von der Verschlussgeschwindigkeit), in Aufwicklern und Abrollsystemen (gleichmäßige Bahnspannung) sowie in Drehmomentbegrenzern, die auch bei Dauerschlupf zuverlässig ein konstantes Moment halten müssen. TEAs Permanentmagnetkupplungen (PMKC) decken ein breites Drehmomentspektrum ab und werden auf Anfrage auch für Sonderanwendungen ausgelegt.

Praxis-Tipp von TEA:

In der Beratung sehen wir bei der Hysteresekupplung am häufigsten, dass die Anfrage nur das Rutschmoment nennt, aber nicht die Schlupfdrehzahl Δn im Dauerbetrieb – genau die entscheidet über die Wärmebilanz (P = M · Δn / 9,55). Schon 5 Nm bei 500 min⁻¹ Schlupf sind rund 260 W Dauerwärme; ohne diese Angabe lässt sich die Baugröße nicht thermisch absichern. Bei der Permanentmagnetkupplung ist es der Luftspalt: Toleranzen aus Wellenlage, Spalttopfwand und Montage gehen überproportional ins Durchrutschmoment ein – deshalb immer den real verbauten Spalt (nicht nur den Nennwert) und das geforderte Durchrutschmoment mit Sicherheitsfaktor angeben, typisch 1,5 bis 2 gegenüber dem Lastmoment.

Wie sich die Permanentmagnetkupplung im Vergleich zu mechanischen Dichtungslösungen schlägt, behandelt der Artikel Magnetkupplung vs. Gleitringdichtung.

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Unsere Ingenieure helfen bei der Auswahl zwischen Hysterese- und Permanentmagnetkupplung – von der ersten Anfrage bis zur fertig ausgelegten Lösung.

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Von der Auslegung zur Anfrage: Beschaffungs-Hinweise

  • Kostentreiber: Die Permanentmagnetkupplung hat in der Regel höhere Anschaffungskosten als die Hysteresekupplung – dafür fallen im Dauerbetrieb keine Schlupfverluste an. Die Hysteresekupplung ist im Grundgerät günstiger, verursacht aber bei häufigem Dauerschlupf messbare Wärmeabfuhrkosten (Kühlung, Wartung).
  • Standard vs. Sonderausführung: Hysteresekupplungen sind in kleinen Drehmomenten oft als Katalogware verfügbar; Permanentmagnetkupplungen werden häufiger auf den konkreten Luftspalt und das Drehmomentsollwert ausgelegt – Sonderanfertigung ist bei beiden Typen bei nicht-standardisierten Einbauräumen der Regelfall.
  • Anfrage vorbereiten: Nennen Sie bei der Anfrage Nenndrehmoment, zulässige Schlupffrequenz (Hysterese) oder gefordertes Durchrutschmoment (PMK), Einbaudurchmesser, Drehzahl, Umgebungstemperatur sowie – bei Spalttopfanwendungen – Medieneigenschaften und Druckstufe.
  • TCO-Aspekt: Bei Dauerantrieben mit hohem Wirkungsgrad-Anforderung (z. B. Pumpen) amortisiert sich die PMK durch geringere Energieverluste. Hysteresekupplungen sind wirtschaftlicher, wenn das konstante Rutschmoment eine separate Drehmomentregeleinheit ersetzt.
  • Kontakt: Die TEA-Magnetkupplungen werden auf Anfrage ausgelegt – Kontakt und Auslegungsanfrage unter Kontakt.

Häufig gestellte Fragen zur Kupplung

PMK und Hysteresekupplung übertragen Drehmoment berührungslos – unterscheiden sich aber fundamental: Die PMK läuft synchron und schlupffrei bis zu ihrem Durchrutschmoment. Die Hysteresekupplung liefert ein konstantes, drehzahlunabhängiges Rutschmoment und darf dauerhaft schlupfen. Kurz: PMK = synchron und effizient; Hysterese = stabiles Rutschmoment ohne Drehzahlbindung.

Die PMK arbeitet im synchronen Betrieb nahezu verlustfrei (Wirkungsgrad >95 %). Die Hysteresekupplung gibt Schlupf als Wärme ab – je mehr Schlupf und Drehmoment, desto geringer der Wirkungsgrad. Für Dauerantriebe empfiehlt sich daher die PMK; die Hysteresekupplung punktet, wo konstantes Rutschmoment wichtiger ist als Effizienz.

Für hermetische Pumpen und Rührwerke mit Spalttopf wird fast ausschließlich die Permanentmagnetkupplung eingesetzt. Sie läuft synchron, überträgt das Drehmoment verlustarm und eignet sich für hohe Leistungen. Der Spalttopf-Aufbau ist mit dem synchronen Betrieb optimal kombinierbar. Die Hysteresekupplung wäre in diesem Kontext wegen dauerhafter Schlupfwärme ungünstig.

Bei der PMK reißt die magnetische Kopplung am Durchrutschmoment abrupt ab – reproduzierbarer Überlastschutz. Die Hysteresekupplung gleitet bei Überlast sanft und kontinuierlich weiter, ohne abruptes Abreißen. Faustregel: PMK für definierte Abschaltgrenzen, Hysterese für weiches, stufenloses Überlastverhalten.

Ja, das ist ihr konstruktives Merkmal und Vorteil zugleich. Das Hysteresematerial erwärmt sich beim Dauerschlupf – die entstehende Wärme muss durch Bauteilauslegung und gegebenenfalls Kühlung beherrschbar bleiben. Innerhalb der thermischen Grenzen ist Dauerschlupf für Hysteresekupplungen unbedenklich; das Drehmoment bleibt dabei nahezu konstant. Die Permanentmagnetkupplung verträgt dagegen keinen Dauerschlupf – sie ist für synchronen Betrieb ausgelegt.

Alexander Olenberger

Über den Autor

Alexander Olenberger

Senior Sales & Application Engineer · Technische Antriebselemente GmbH

Alexander Olenberger unterstützt Konstrukteure und Einkäufer bei der Auswahl und Auslegung von Kupplungen, Antriebssystemen und Maschinenkomponenten.

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