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Magnetkupplung Spalttopf: hermetische Trennung & Werkstoffe

Alexander Olenberger Alexander Olenberger |10. Juni 2026 |8 Min. Lesezeit |
Zuletzt geprüft: durch Alexander Olenberger

Eine Magnetkupplung überträgt Drehmoment berührungslos durch ein Magnetfeld. Damit beide Seiten dabei vollständig getrennt bleiben können, sitzt zwischen Innen- und Außenrotor eine unmagnetische Wand: der Spalttopf – bei kompakten Permanentmagnet-Kupplungen auch Begrenzungswand genannt, im Englischen Containment Shell.

Der Spalttopf ist das sicherheitskritische Bauteil der gesamten Kupplung. Er schließt das Fördermedium hermetisch ein und entscheidet über Dichtheit, Druckfestigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Wirkungsgrad. Die Wahl des richtigen Werkstoffs ist damit keine Detailfrage, sondern bestimmt, ob die Anlage sicher, leckagefrei und wirtschaftlich läuft.

Kurzfassung: Edelstahl ist der druckfeste Standard für unkritische Medien, erzeugt aber Wirbelstromverluste. Hastelloy steht für höchste Korrosionsbeständigkeit, Keramik für verlustfreien Betrieb bei aggressiven oder reinen Medien, PEEK für leichte, korrosionsfeste Anwendungen mit begrenztem Druck. Die Auswahltabelle und die Auslegungshinweise unten führen zur richtigen Entscheidung.

Funktion des Spalttopfs

Der Antriebsmotor treibt den Außenrotor (Antriebsmagnete) an. Dessen Magnetfeld durchdringt den Spalttopf und koppelt den im Medium laufenden Innenrotor mit – ganz ohne mechanische Verbindung. Der Spalttopf trennt also den „nassen“ Bereich (Medium, Innenrotor) vom „trockenen“ Bereich (Antrieb, Außenrotor).

Daraus ergeben sich zwei harte Anforderungen, die im Konflikt stehen:

  • Magnetisch durchlässig: Das Feld muss die Wand möglichst ungehindert passieren. Der Werkstoff muss unmagnetisch sein und die Wand sollte dünn sein, um den Luftspalt klein zu halten.
  • Mechanisch dicht und fest: Die Wand muss Betriebsdruck, Temperatur und Medienangriff dauerhaft standhalten – das spricht für mehr Wandstärke und hochwertige Werkstoffe.

Genau dieser Zielkonflikt – dünn und durchlässig gegen dick und fest – macht die Werkstoff- und Wandstärkenwahl zum Kern jeder Spalttopf-Auslegung. Die Wandstärke geht dabei direkt in den magnetischen Luftspalt ein und beeinflusst so das übertragbare Durchrutschmoment.

Werkstoffe im Vergleich

Vier Werkstoffgruppen dominieren den Spalttopfbau. Die Tabelle stellt ihre Eigenschaften gegenüber – entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Medium, Druck, Temperatur und Wirkungsgrad-Anforderung.

Werkstoff Korrosionsbeständigkeit Temperatur Druck Wirbelströme Kosten
Edelstahl
(z. B. 1.4571, 1.4404)
Gut (Standardmedien)HochHochJa (Verluste)
Hastelloy
(Ni-Basis)
Sehr hoch (Säuren, Halogenide)HochHochJa (Verluste)€€€
Keramik
(Zirkonoxid ZrO₂)
Sehr hoch (nahezu inert)Sehr hochHoch, aber sprödbruchempfindlichNein (verlustfrei)€€€
PEEK / KunststoffHoch (medienabhängig)BegrenztBegrenztNein (verlustfrei)€€

Die konkreten Grenzwerte (zulässiger Druck, Maximaltemperatur, Medienliste) hängen von Bauform, Wandstärke und Hersteller ab und sind im Einzelfall abzustimmen.

Wirbelströme & Wärmeentwicklung

Rotiert das Magnetfeld relativ zu einer elektrisch leitenden Spalttopfwand (Edelstahl, Hastelloy), werden in der Wand Wirbelströme induziert. Diese Ströme erzeugen Wärme und gehen als Verlustleistung verloren. Die Verluste wachsen mit Drehzahl, Feldstärke und Wandstärke.

Praxis-Tipp von TEA:

Bei metallischem Spalttopf und höheren Drehzahlen ist die Wärmeabfuhr entscheidend. Wird die Wärme nicht abgeführt, steigt die Temperatur – im Extremfall bis zur teilweisen Entmagnetisierung der Magnete und damit zu Leistungsverlust. Für hohe Drehzahlen, große Leistungen oder enge Wirkungsgrad-Vorgaben ist ein nichtleitender Spalttopf aus Keramik oder PEEK die verlustarme Alternative.

Nichtleitende Werkstoffe vermeiden Wirbelströme vollständig: kein Verlust, keine feldbedingte Eigenerwärmung der Wand. Der Preis sind höhere Materialkosten und – bei Keramik – die Sprödigkeit, die eine stoß- und thermoschockarme Konstruktion verlangt.

Werkstoffauswahl nach Medium & Anwendung

Anforderung / Medium Empfohlener Werkstoff Begründung
Standardmedien (Wasser, Öle, neutrale Flüssigkeiten)EdelstahlWirtschaftlich, druckfest, gut verfügbar
Aggressive Säuren, HalogenideHastelloy oder KeramikEdelstahl droht Lochkorrosion; Hastelloy/Keramik beständig
Hohe Drehzahl / Wirkungsgrad kritischKeramikKeine Wirbelstromverluste, kaum Eigenerwärmung
Hohe TemperaturKeramik oder EdelstahlBeständig; Kunststoff scheidet aus
Hoher BetriebsdruckEdelstahl / HastelloyMetall hält höchsten Drücken stand
Niedriger Druck, gewichts-/kostensensitiv, korrosivPEEK / KunststoffLeicht, chemisch beständig, verlustfrei

Die hermetische Trennung macht die Magnetkupplung gerade dort attraktiv, wo eine Leckage unzulässig ist – etwa bei giftigen oder umweltgefährdenden Stoffen. Wie sie sich gegenüber der klassischen Wellenabdichtung schlägt, behandelt der Vergleich Magnetkupplung vs. Gleitringdichtung.

Auslegung: Wandstärke, Spalt & Sicherheit

Die Wandstärke ist die zentrale Auslegungsgröße. Sie wirkt auf drei Eigenschaften gleichzeitig:

  • Drehmoment: Jede zusätzliche Wandstärke vergrößert den magnetischen Luftspalt. Da das übertragbare Moment mit dem Spalt überproportional abnimmt, kostet eine dickere Wand spürbar Drehmoment.
  • Druckfestigkeit: Eine dickere Wand hält höheren Innendrücken stand und bietet mehr Sicherheit gegen Bersten.
  • Verluste (nur Metall): Bei leitenden Werkstoffen steigen die Wirbelstromverluste mit der Wandstärke.

Praktisch heißt das: So dünn wie für Druck und Sicherheit zulässig, so dick wie nötig. Für das Drehmoment ist zusätzlich ein Sicherheitsfaktor einzuplanen (typisch 1,5–2,0 über dem Betriebsmoment), der Anlaufspitzen, Lastschwankungen und die Temperaturabhängigkeit der Magnete abdeckt. Für die konkrete Größen- und Drehmomentbestimmung hilft der Auslegungs-Assistent auf der Produktseite der PMKC-Magnetkupplungen von TEA (mit Spalttopf-Auswahlhilfe).

Rechenbeispiel: Mindestwandstärke aus dem Betriebsdruck

Als druckbeaufschlagtes Bauteil lässt sich die Mindestwandstärke eines zylindrischen Spalttopfs überschlägig aus der Kesselformel (Umfangsspannung dünnwandiger Zylinder) abschätzen:

tmin = p · D / (2 · σzul)

tmin = Mindestwandstärke [mm]  |  p = Betriebsdruck [N/mm²]  |  D = Spalttopf-Innendurchmesser [mm]  |  σzul = zulässige Spannung des Werkstoffs [N/mm²]

Rechenbeispiel:

Gegeben: D = 100 mm, pB = 16 bar = 1,6 N/mm², Edelstahl 1.4571 mit konservativem σzul ≈ 100 N/mm² (inkl. Temperatur- und Schweißnahtabschlag)

tmin = 1,6 · 100 / (2 · 100) = 0,8 mm

Rechnerische Mindestwandstärke 0,8 mm; mit Korrosionszuschlag und Sicherheitsfaktor wird die Wand etwas dicker ausgeführt.

Diese 0,8 mm gehen unmittelbar in den magnetischen Luftspalt ein. Weil das übertragbare Drehmoment mit dem Spalt überproportional fällt, kostet jede zusätzliche Zehntelmillimeter Wand spürbar Moment — der Grund, warum bei hoher Drehmomentdichte dünne, hochfeste oder nichtleitende Spalttöpfe bevorzugt werden.

Normbezug: Für dichtungslose Pumpen mit Magnetkupplung gelten API 685 und DIN EN ISO 15783; die Festigkeit des Spalttopfs als druckbeaufschlagtes Bauteil wird nach DIN EN 13445 (unbefeuerte Druckbehälter) nachgewiesen.

Häufige Auslegungsfehler

Fehler 1: Werkstoff nicht zum Medium passend

Standard-Edelstahl in chloridhaltigen oder stark sauren Medien führt zu Lochkorrosion und kann den Spalttopf perforieren. Die Medienverträglichkeit muss vor der Werkstoffwahl geprüft werden – im Zweifel Hastelloy oder Keramik.

Fehler 2: Wärmeabfuhr beim Metalltopf ignoriert

Wirbelstromverluste erwärmen den metallischen Spalttopf. Ohne ausreichende Wärmeabfuhr steigt die Temperatur, bis im Extremfall die Magnete teilweise entmagnetisieren und das Drehmoment einbricht. Bei hohen Drehzahlen Wärmepfad einplanen oder Keramik wählen.

Fehler 3: Wandstärke nur nach Druck ausgelegt

Wer die Wand allein auf Druck dimensioniert, übersieht den Einfluss auf Luftspalt und Drehmoment. Eine zu dicke Wand vergrößert den Spalt und senkt das übertragbare Moment – die Kupplung rutscht früher durch als geplant. Druck, Drehmoment und Verluste gemeinsam betrachten.

Fehler 4: Keramik ohne Rücksicht auf Sprödbruch

Keramik ist verlustfrei und chemisch inert, aber sprödbruchempfindlich. Stoßbelastung, Montagespannungen oder Thermoschock (schneller Temperaturwechsel) können zu Rissen führen. Keramik-Spalttöpfe konstruktiv stoßentkoppelt einbauen und schroffe Temperatursprünge vermeiden.

Inspektion & Wartung

Weil der Spalttopf das einzige Bauteil zwischen Medium und Umgebung ist, gehört seine Überwachung zu jedem Wartungsplan. Sinnvolle Prüfpunkte:

  • Sichtprüfung: Risse, Korrosionsnarben, Erosionsspuren und Verfärbungen an der Innenwand.
  • Temperatur: Eine ungewöhnlich steigende Betriebstemperatur deutet auf wachsende Wirbelstromverluste, verringerten Spalt oder beginnende Schäden hin.
  • Dichtheit: In kritischen Prozessen Leckageüberwachung; bei Druckabfall sofort prüfen.
  • Austauschplanung: Für sicherheitsrelevante Anwendungen ein definiertes Wechselintervall festlegen, statt bis zum Versagen zu fahren.

Welcher Kupplungstyp – synchron oder Hysterese – hinter dem Spalttopf arbeitet, beeinflusst Last- und Wärmeverhalten. Die Unterschiede erklärt Hysteresekupplung vs. Permanentmagnetkupplung.

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Von der Auslegung zur Anfrage: Beschaffungs-Hinweise

  • Kostentreiber: Werkstoff ist der größte Preisfaktor. Edelstahl-Spalttöpfe (€) sind Standardware; Hastelloy und Keramik sind deutlich teurer und oft Sonderanfertigung – frühzeitig anfragen und Fertigungsvorlauf einplanen.
  • Standard vs. Sonderausführung: Edelstahl-Spalttöpfe für Standardmedien (Wasser, Öle) sind häufig als Serienteil verfügbar. Hastelloy, Keramik (Zirkonoxid) oder PEEK in Sonderbauformen erfordern in der Regel eine herstellerspezifische Fertigung – frühzeitig anfragen.
  • Anfrage-Checkliste: Fördermedium (chemische Bezeichnung, Konzentration), Betriebsdruck und -temperatur (max. und typisch), Nenndrehmoment und Drehzahl, gewünschter Werkstoff (oder Anforderungsprofil), Einbaumaß oder vorhandene Kupplung als Referenz.
  • TCO-Hinweis: Ein Keramik-Spalttopf kostet mehr in der Anschaffung, eliminiert aber Wirbelstromverluste vollständig – bei hohen Drehzahlen oder Dauerbetrieb kann sich der höhere Preis durch niedrigere Energiekosten und längere Standzeiten rechnen.
  • Weiterführend: Details zu Typen und Auslegungsunterstützung unter PMKC-Magnetkupplungen oder direkt über Kontakt.

Häufig gestellte Fragen zum Spalttopf

Beide Begriffe bezeichnen dasselbe Bauteil: die unmagnetische Wand, die Innen- und Außenrotor einer Magnetkupplung trennt und das Medium hermetisch von der Antriebsseite abschließt. „Spalttopf“ ist der in der Pumpen- und Verfahrenstechnik übliche Begriff (von der topfförmigen Bauform), „Begrenzungswand“ wird vor allem bei kompakten Permanentmagnet-Kupplungen verwendet. Im Englischen heißt das Bauteil Containment Shell oder Can.

Bei hochaggressiven Medien sind Hastelloy oder Keramik (Zirkonoxid) die erste Wahl. Hastelloy bietet höchste Korrosionsbeständigkeit gegenüber Säuren und Halogeniden bei gleichzeitig hoher Druckfestigkeit. Keramik ist chemisch nahezu inert und zusätzlich verlustfrei (keine Wirbelströme), aber sprödbruchempfindlich. Standard-Edelstahl (1.4571) stößt bei chloridhaltigen oder stark sauren Medien an seine Grenzen (Lochkorrosion) und sollte dort nicht eingesetzt werden.

Das rotierende Magnetfeld induziert im elektrisch leitenden Metall des Spalttopfs Wirbelströme. Diese Ströme erwärmen die Wand und gehen als Verlustleistung verloren. Die Wärmeentwicklung steigt mit Drehzahl, Feldstärke und Wandstärke. Bei metallischen Spalttöpfen muss deshalb eine ausreichende Wärmeabfuhr eingeplant werden – nichtleitende Werkstoffe wie Keramik oder PEEK vermeiden Wirbelströme vollständig.

Typische Wandstärken liegen je nach Werkstoff und Baugröße zwischen 0,5 mm (Kunststoff/PEEK, Niederdruckanwendungen bis ca. 10 bar) und 2–3 mm (Edelstahl/Hastelloy bei über 25 bar). Dünnere Wand bedeutet kleinerer Luftspalt und höheres Drehmoment, dickere Wand mehr Drucksicherheit – aber weniger übertragbares Moment. Die genaue Auslegung richtet sich nach Betriebsdruck, Medium und dem erforderlichen Sicherheitsfaktor (typisch 1,5–2,0).

Ja – ein Spalttopf kann durch Korrosion, Erosion, Druckspitzen, Thermoschock (besonders bei Keramik) oder Materialermüdung versagen. Da er das sicherheitskritische Bauteil ist, sollte er regelmäßig auf Risse, Korrosionsnarben und Verfärbungen geprüft werden. Eine steigende Betriebstemperatur, ungewöhnliche Geräusche oder ein Druckabfall sind Warnzeichen. In kritischen Prozessen empfiehlt sich eine Leckageüberwachung und ein definiertes Austauschintervall.

Ja, deutlich. Keramik (z. B. Zirkonoxid) ist elektrisch nicht leitend, sodass im rotierenden Feld keine Wirbelströme entstehen. Das eliminiert die Wirbelstromverluste praktisch vollständig und erhöht den Wirkungsgrad – besonders bei höheren Drehzahlen oder großen übertragenen Leistungen. Der Preis dafür sind höhere Materialkosten und die Sprödbruchempfindlichkeit, die eine stoß- und thermoschockarme Auslegung erfordert.

Alexander Olenberger

Über den Autor

Alexander Olenberger

Senior Sales & Application Engineer · Technische Antriebselemente GmbH

Alexander Olenberger unterstützt Konstrukteure und Einkäufer bei der Auswahl und Auslegung von Kupplungen, Antriebssystemen und Maschinenkomponenten.

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