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Rollenführung Lebensdauer berechnen: L10-Formel und Praxisbeispiel

Alexander Olenberger Alexander Olenberger |10. Juni 2026 |7 Min. Lesezeit |
Zuletzt geprüft: durch Alexander Olenberger

Die L10-Lebensdauer einer LinRol-Rollenumlaufführung gibt an, welchen Laufweg mindestens 90 % einer gleichartig ausgelegten Führungsserie erreichen — berechnet nach der Formel L10 = (C/P)^(10/3) gemäß ISO 14728-1. Wie lange eine Führung tatsächlich hält, hängt dabei von Belastung, Schmierung und Betriebsbedingungen ab.

L10 ist die Laufstrecke in 10⁵ m (entspricht 100 km), die mindestens 90 % einer gleichartig ausgelegten Führungsserie erreichen. Das Konzept stammt aus der Wälzlagertechnik und wurde auf lineare Rollenumlaufführungen übertragen. Die Formel ist einfach – ihre korrekte Anwendung erfordert aber Sorgfalt bei der Ermittlung der äquivalenten Last P.

Kurzfassung: Die L10-Formel für Rollenführungen

L10 = (C / P)10/3

C = dynamische Tragzahl [N] aus dem Katalog  |  P = äquivalente dynamische Betriebslast [N]  |  Ergebnis in Einheiten von 10⁵ m (= 100 km Laufweg). Der Exponent 10/3 gilt für Rollen (Linienkontakt); bei Kugeln (Punktkontakt) gilt 3.

Grundlagen: Dynamische Tragzahl, Betriebslast und L10

Die L10-Berechnung basiert auf drei Größen, deren genaue Definition entscheidend für ein belastbares Ergebnis ist:

Dynamische Tragzahl C

Die dynamische Tragzahl C ist eine Herstellerangabe aus dem Katalog. Sie beschreibt die konstante Last, bei der eine Gruppe gleichartiger Führungen eine nominelle Lebensdauer von genau 10⁵ m (= L10 = 1 in der normierten Einheit) erreicht. C hat die Einheit Newton (N) oder Kilonewton (kN) und ist für jeden Rollenumlaufwagen separat angegeben.

Äquivalente dynamische Betriebslast P

P ist die auf die Führung wirkende Last, die für die Lebensdauerberechnung angesetzt wird. Bei rein radialer, konstanter Last ist P gleich der Radialkraft. In der Praxis wirken aber häufig mehrere Kraftkomponenten gleichzeitig (Radial, Axial, Moment). In diesem Fall muss P als äquivalente Last aus den realen Kräften bestimmt werden – die Berechnungsvorschrift liefert der Hersteller oder die Norm ISO 14728-1.

Für eine erste Abschätzung kann der Lebensdauer-Rechner genutzt werden. Eine vollständige Systemauslegung inklusive Führungsauswahl unterstützt das Tool Linearführung dimensionieren.

L10-Definition und der Lebensdauer-Exponent

L10 ist die Laufstrecke, die mindestens 90 % einer Führungsserie erreichen. Der Lebensdauer-Exponent hängt von der Kontaktgeometrie der Wälzkörper ab:

  • Rollen (Linienkontakt): Exponent p = 10/3 ≈ 3,33 — gilt für Rollenumlaufführungen (ISO 14728-1)
  • Kugeln (Punktkontakt): Exponent p = 3 — gilt für Kugelführungen

Der höhere Exponent bei Rollen bedeutet: Eine Verdopplung des C/P-Verhältnisses steigert die Lebensdauer bei Rollen um den Faktor 210/3 ≈ 10 – bei Kugeln dagegen nur um 2³ = 8. Rollen profitieren also überproportional von einer Reduzierung der Betriebslast. Einen direkten Vergleich beider Führungsarten liefert der Artikel Kugel- vs. Rollenführung.

Berechnung Schritt für Schritt

Schritt 1 – Dynamische Tragzahl C aus dem Katalog ablesen

C steht im Produktkatalog unter den dynamischen Kenndaten des gewählten Wagens. Achten Sie darauf, die Richtungsangabe zu beachten (Radial-C kann von Axial-C abweichen).

Schritt 2 – Äquivalente Betriebslast P ermitteln

Bestimmen Sie alle auf den Wagen wirkenden Kräfte und Momente und berechnen Sie daraus P nach Herstellerformel oder ISO 14728-1. Bei einfacher, rein radialer Belastung gilt P = Fr (Radialkraft).

Schritt 3 – L10 berechnen

Formel

L10 = (C / P)10/3

Ergebnis in der Einheit 10⁵ m = 100 km Laufweg

Rechenbeispiel

Gegeben:

  • Dynamische Tragzahl: C = 20 kN
  • Äquivalente Betriebslast: P = 4 kN

Rechnung:

L10 = (20 / 4)10/3 = 53,33 ≈ 214

L10 ≈ 214 · 10⁵ m ≈ 21.400 km Laufweg

Das heißt: 90 % der Führungen dieses Typs erreichen unter dieser Last mindestens 21.400 km.

Statische Tragsicherheit separat prüfen

Neben der L10-Lebensdauer muss die statische Tragsicherheit geprüft werden, insbesondere bei Stoßbelastung oder wenn die Führung belastet stillsteht. Die statische Tragzahl C0 aus dem Katalog gibt die maximal zulässige statische Last an. Die statische Tragsicherheit ergibt sich zu:

S0 = C0 / P0

P0 = maximale statische Betriebslast (Stoßspitze, Gewichtslast im Stillstand)

Der erforderliche Mindestwert für S0 hängt von der Belastungsart ab. Als Richtwerte aus der Linearführungstechnik (Herstellerangaben z. B. THK, Bosch Rexroth) gelten:

Maschinentyp / Betriebsbedingung Mindestwert S0 (Richtwert)
Allgemeiner Maschinenbau, ohne Stöße/Vibration 1,0–1,3
Allgemeiner Maschinenbau, mit Stößen/Vibration 2,0–3,0
Werkzeugmaschinen, ohne Stöße/Vibration 1,0–1,5
Werkzeugmaschinen, mit Stößen/Vibration 2,5–7,0

Ein zu kleines S0 führt zu bleibenden Eindrückungen in den Laufbahnen (Brinellieren) und damit zu erhöhtem Lärm, Spiel und vorzeitigem Ausfall. Verbindlich ist stets der im Katalog des Führungsherstellers angegebene Mindestwert.

Einflussfaktoren auf die reale Lebensdauer

Die L10-Formel berechnet die nominelle Lebensdauer unter Idealbedinungen. Die tatsächlich erreichbare Lebensdauer hängt von weiteren Betriebsparametern ab, die durch Korrekturfaktoren berücksichtigt werden können (erweiterte Lebensdauerberechnung nach ISO 14728-2):

Schmierung

Unzureichende oder falsche Schmierung ist die häufigste Ursache für vorzeitigen Ausfall. Ein Schmierstoffmangel erhöht die Reibung und Hertzschen Flächenspannungen – die effektive Last P steigt, ohne dass die Formel das direkt abbildet. Richtige Schmiersorte, Menge und Intervall sind entscheidend. Details dazu im Artikel Rollenführung Wartung & Schmierung.

Sauberkeit und Abdichtung

Eindringende Partikel und Feuchtigkeit beschleunigen Verschleiß und Korrosion an Laufbahnen und Wälzkörpern erheblich. Geeignete Dichtungen, Abstreifer und Schutzabdeckungen sind bei Umgebungen mit Spänen, Staub oder Kühlmittel unverzichtbar.

Temperatur

Hohe Betriebstemperaturen verringern die Tragzahl und verschlechtern die Schmierwirkung. Bei Temperaturen über 100 °C sind temperaturbeständige Schmierstoffe und ggf. angepasste Tragzahl-Abminderungsfaktoren anzuwenden.

Stoß- und Vorspannung

Dynamische Stoßbelastungen erhöhen die effektive Last P über die statisch berechnete Last hinaus. Ein Stoßfaktor (typisch 1,5–3,0) sollte in der Lastermittlung berücksichtigt werden. Auch eine zu hohe Vorspannung verkürzt die Lebensdauer, da sie die effektive Betriebslast erhöht.

Erweiterte Lebensdauer: Korrekturfaktoren nach ISO 14728-2

Während L10 die nominelle Lebensdauer für eine Erlebenswahrscheinlichkeit von 90 % beschreibt, berücksichtigt die modifizierte Nennlebensdauer nach ISO 14728-2 zusätzlich die geforderte Zuverlässigkeit sowie Schmierungs- und Verschmutzungsbedingungen:

Lnm = a1 · aISO · L10

a1 = Lebensdauerbeiwert für die Erlebenswahrscheinlichkeit  |  aISO = Lebensdauerbeiwert für Schmierung und Verschmutzung

Der Beiwert a1 reduziert die Lebensdauer, wenn eine höhere Ausfallsicherheit als die üblichen 10 % gefordert wird (Werte nach ISO 281, sinngemäß für Linearführungen übernommen):

Erlebenswahrscheinlichkeit Lebensdauer Beiwert a1
90 %L101,00
95 %L50,64
96 %L40,55
98 %L20,37
99 %L10,25

Der Beiwert aISO bewertet die Schmierfilmbildung (Viskositätsverhältnis κ) und den Verschmutzungsgrad. Bei sauberem Betrieb mit ausreichendem Schmierfilm kann aISO > 1 werden und die Lebensdauer steigt; bei Mangelschmierung oder Verschmutzung sinkt er deutlich unter 1. aISO wird aus den Diagrammen der Norm bestimmt — in der Praxis ist die konsequente Schmierung damit der wirksamste Hebel für eine lange Lebensdauer.

Praxis: Verschleißgrenze und Austauschzeitpunkt

Die L10-Lebensdauer ist ein statistischer Planungswert, kein Versagenszeitpunkt. In der Praxis empfiehlt es sich, den Austausch vor Ablauf von L10 zu planen, um ungeplante Stillstände zu vermeiden. Erste Anzeichen für eine nachlassende Führung sind:

  • Zunehmende Geräuschentwicklung (Rauschen, Rattern) beim Verfahren
  • Spürbar wachsendes Spiel im Führungswagen
  • Positioniergenauigkeit verschlechtert sich messbar
  • Erhöhte Reibung oder unregelmäßiger Kraftverlauf

Lebensdauergeschmierte oder wartungsfreie Rollenführungen – wie die LinRol-Serie von TEA – sind ab Werk mit einer Dauerschmierung versehen, die den Nachschmierintervall stark verlängert oder ganz entfällt. Das reduziert den Wartungsaufwand und senkt die Ausfallwahrscheinlichkeit in frühen Betriebsphasen.

Praxis-Tipp von TEA:

Legen Sie auf Basis der berechneten L10-Lebensdauer ein festes Wechselintervall fest – zum Beispiel 80 % von L10 als Austausch-Trigger. Führen Sie gleichzeitig ein Betriebsbuch mit Laufweg und Schmierereignissen. So erkennen Sie frühzeitig, wenn die reale Abnutzung von der Prognose abweicht. Detaillierte Hinweise zu Schmierung und Wartungsintervallen enthält der Artikel Rollenführung Wartung & Schmierung.

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Von der Auslegung zur Anfrage: Beschaffungs-Hinweise

  • Kostentreiber: Der Hauptkostenfaktor bei Rollenführungen ist nicht der Anschaffungspreis des Wagens, sondern ungeplante Stillstände durch Frühausfall. Eine korrekte L10-Auslegung mit ausreichendem C/P-Verhältnis senkt die Austauschfrequenz und damit die Gesamtbetriebskosten deutlich.
  • Standard vs. Sonderausführung: Standardgrößen ab Lager Hamburg (LinRol) decken die meisten Industrie-Anwendungen ab. Sonderausführungen (z. B. erhöhte Dichtungsklasse, Hochtemperatur-Schmierstoff) lohnen sich erst, wenn die Betriebsbedingungen nachweislich außerhalb des Standardbereichs liegen.
  • Anfrage vorbereiten: Für eine belastbare Auslegung werden benötigt: maximale Betriebslast P und deren Richtung (Radial/Axial/Moment), gewünschter Laufweg oder Betriebsdauer, Hub und Zyklen pro Schicht sowie Umgebungsbedingungen (Temperatur, Verschmutzungsgrad).
  • TCO-Aspekt: Wartungsfreie oder lebensdauergeschmierte Ausführungen reduzieren den Nachschmieraufwand und die damit verbundenen Personalkosten. Bei schwer zugänglichen Einbaulagen oder hohen Hygieneauflagen ist der Aufpreis gegenüber den eingesparten Wartungskosten meist schnell amortisiert.
  • Weiterführend: Alle Baureihen und technischen Daten finden Sie unter LinRol-Rollenumlaufführungen — oder stellen Sie direkt eine Auslegungsanfrage.

Häufig gestellte Fragen zur Lebensdauerberechnung

Die L10-Lebensdauer ist die Laufstrecke in 10⁵ m (100 km), die mindestens 90 % einer gleichartig ausgelegten Führungsserie erreichen. Sie ergibt sich nach ISO 14728-1 aus der Formel L10 = (C/P)^(10/3), wobei C die dynamische Tragzahl und P die äquivalente Betriebslast ist.

Die Formel lautet: L10 = (C / P)^(10/3). Das Ergebnis in der Einheit 10⁵ m (= 100 km) entspricht dem nominellen Laufweg, den 90 % der Führungen erreichen. C ist die dynamische Tragzahl laut Katalog, P ist die äquivalente dynamische Betriebslast, die aus den realen Kräften (Radial-, Axial- und Momentbelastung) bestimmt wird. Für einen schnellen ersten Überblick steht auf tea-hamburg.de ein Lebensdauer-Rechner zur Verfügung.

Der Exponent hängt von der Kontaktgeometrie ab: Kugeln erzeugen Punktkontakt (Hertzscher Punktkontakt), wofür der Exponent p = 3 gilt. Rollen erzeugen Linienkontakt, bei dem sich die Last auf eine deutlich größere Fläche verteilt. Für diesen Linienkontakt ergibt die Ermüdungstheorie nach ISO 14728-1 einen Exponenten von p = 10/3 ≈ 3,33. Der Unterschied hat spürbaren Einfluss: Eine Verdopplung des C/P-Verhältnisses steigert die Lebensdauer bei Rollen um den Faktor 2^(10/3) ≈ 10, bei Kugeln nur um 2³ = 8.

Die dynamische Tragzahl C beschreibt die Last, bei der L10 genau 10⁵ m (100 km) beträgt. Sie gilt für bewegte Führungen und ist die Basis der L10-Lebensdauerberechnung. Die statische Tragzahl C0 beschreibt die maximal zulässige Last für eine ruhende oder sehr langsam bewegte Führung, bei der keine bleibende Verformung der Laufbahnen auftreten soll. Die statische Tragsicherheit S0 = C0 / P0 muss separat geprüft werden, etwa bei Anlaufstößen oder wenn die Führung häufig stillsteht und dabei belastet ist.

Der wirksamste Hebel ist eine Reduzierung der Betriebslast P: Da L10 mit (C/P)^(10/3) skaliert, vervielfacht sich die rechnerische Lebensdauer bei einer Lastreduzierung überproportional. Darüber hinaus verlängern korrekte Schmierung (Sorte, Menge, Intervall), Schutz vor Verschmutzung und Feuchtigkeit, ein auf die Anwendung abgestimmtes Lagerspiel sowie der Einsatz lebensdauergeschmierter oder wartungsfreier Ausführungen die tatsächliche Nutzungsdauer erheblich. Stöße und Schwingungen erhöhen die effektive Last und sollten konstruktiv gedämpft werden.

Alexander Olenberger

Über den Autor

Alexander Olenberger

Senior Sales & Application Engineer · Technische Antriebselemente GmbH

Alexander Olenberger unterstützt Konstrukteure und Einkäufer bei der Auswahl und Auslegung von Linearführungen, Antriebssystemen und Maschinenkomponenten.

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